Nr. 9 - Ganzheitliche Mundgesundheit & Longevity – im Gespräch mit Dr. Senay Yüksel

Shownotes

In dieser Episode erfährst du:

  • Warum Mundgesundheit mehr ist als „nur Zähne“
  • Parodontale Prozesse und mögliche systemische Zusammenhänge
  • Entzündungsmechanismen im Körper und was derzeit diskutiert wird
  • Möglicher Einfluss der Mundflora auf den Gesamtorganismus
  • Präventionsansätze in der modernen Zahnmedizin
  • Ganzheitliche Betrachtung im Kontext von Longevity
  • Welche Rolle Lebensstilfaktoren spielen können
  • Worauf Patientinnen und Patienten im Alltag achten können

Website von Dr. Senay Yüksel: www.dentirely-healthy.ch

Mehr Infos zu Longevity und Coaching findest du unter https://www.uta-pittino.de

Hinweis / Disclaimer Dieser Podcast dient ausschließlich der allgemeinen Information und Weiterbildung. Die Inhalte stellen keine medizinische, zahnmedizinische oder therapeutische Beratung dar und ersetzen keine individuelle Diagnostik oder Behandlung durch Ärztinnen, Ärzte oder Zahnärztinnen und Zahnärzte. Es werden wissenschaftliche Zusammenhänge und mögliche Wechselwirkungen erläutert, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Aus den dargestellten Informationen können keine Heilversprechen oder individuellen Therapieempfehlungen abgeleitet werden. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen wenden Sie sich bitte an eine qualifizierte medizinische Fachperson.

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00:00:02: Sprecher 1 Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Folge in meinem Podcast. Ich freue mich sehr, dass du heute wieder eingeschaltet hast. Heute sprechen wir über die Rolle unserer Mundgesundheit und darüber, warum das orale Mikrobiom für unsere allgemeine Gesundheit zunehmend in den Fokus rückt. Ich freue mich sehr dazu mit einer Expertin zu sprechen, die sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt. Und mein heutiger Gast ist

00:00:35: Sprecher 2 Liebe.

00:00:36: Sprecher 1 Schön, dass du da bist. Stell dich doch gerne selbst einmal vor und erzähl uns, was dich zu diesem Schwerpunkt geführt hat.

00:00:47: Sprecher 2 Herzlichen Dank, liebe Uta, auch für die Einladung. Ich freue mich sehr, da zu sein. Ja, ich bin Zahnärztin seit 2006, habe in Deutschland die Ausbildung gehabt, in Marburg studiert und dann erstmal an der Uni auch in Marburg gearbeitet, mich dann spezialisiert in Endodontie, also im Thema Wurzelbehandlungen. Die Spezialisierung 2012 abgeschlossen. Dann gab es eine Phase, wo ich in der Türkei war, fünf Jahre in Istanbul dort gearbeitet hab, also nicht nur Wurzelbehandlung gemacht, sondern wirklich alles gemacht hab. Danach bin ich 2018 in der Schweiz gelandet und dann kam Corona. Mit Corona ist bei mir, es gab schon mal den Samen der klinischen Psychoneuroimmunologie, was ich bei einer Physiotherapeutin gehört habe, das erste Mal, als ich bei ihr war wegen Nackenbeschwerden. Und sie hat mir davon ganz begeistert erzählt und über Ursachensuche und Symptome auf den Grund gehen. Und das war also bei mir in meinem Hinterkopf so ungefähr anderthalb Jahre lang. Es hat Corona gebraucht, wo ich dann gedacht habe, ich muss das machen, diese Ausbildung. Ich muss mich mehr damit beschäftigen, weil ich auch das Gefühl hatte, wir können viel mehr machen, um uns selber zu schützen, um unser Immunsystem zu stärken. Und auch gerade, weil ich familiär Erkrankungen hatte, chronische Erkrankungen betroffene, dachte ich, ist das eine Top Ausbildung?

00:02:26: Sprecher 2 War es dann auch. Ist es dann auch. Da haben wir uns dann auch kennengelernt, erfreulicherweise.

00:02:32: Sprecher 1 Ja, Gott sei Dank.

00:02:37: Sprecher 2 So kam eigentlich der ganzheitliche Weg in die Zahnmedizin. Da habe ich dann Dinge noch mal viel mehr verstanden, was im Studium gar nicht so Teil der Lehre war, wie alles zusammenhängt auch mit dem Rest des Körpers. Der Mund ist ja nie separat als ein Organ zu betrachten. Es ist alles untrennbar miteinander verknüpft und ja, seitdem bin ich ganzheitlich unterwegs, auch mit der Umweltzahnmedizin und schaue nicht nur auf die Zähne sozusagen. Ja, super.

00:03:09: Sprecher 1 Absolut spannend der Bereich. Wir kommen jetzt schon mal zur ersten Frage. Also viele Menschen verbinden gesundes Altern vor allem mit Ernährung, Bewegung oder halt auch mit Supplements. Warum spielt die Mundgesundheit aus deiner Sicht eine so grundlegende Rolle für die allgemeine Gesundheit und vor allen Dingen, warum wird das auch oft unterschätzt, diese Mundgesundheit?

00:03:37: Sprecher 2 Es wird tatsächlich sehr oft unterschätzt. Man sieht es ja nicht wirklich, wie gesund ist mein Mund eigentlich. Man spürt es auch oft nicht, wenn da Probleme sind. Man spürt es oft viele Jahrzehnte später. Der Mund ist aber eigentlich das Eingangstor des Körpers, also wo die Umwelt in uns reinkommt und wo die Verdauung auch anfängt, wo wir auch unser zweitgrößtes Mikrobiom haben, also nach dem Darm. Und da findet eben ganz viel Kennenlernen statt. Also das Immunsystem lernt die Umwelt kennen zu unterscheiden zwischen Freund und Feind und es wird dort wie, ja, es findet ein Immunsystemtraining statt, schon im Mundraum und das Ökosystem Mund ist extrem wichtig, dass wir das gesund erhalten, also dass die guten Bakterien Oberhand haben jederzeit, damit unsere Allgemeingesundheit auch überhaupt möglich ist. Also es ist für mich der allererste Schritt in der Prävention oder Thema Longevity. Wir wissen ja auch von der Verbindung aus der TCM, wissen wir das zwischen den Organen und den Zähnen über die Meridiane und das alles also miteinander kommuniziert auf verschiedenem Wege, sei es Blutbahn, Meridiane und ein Problem. Ein Symptom kann sich äußern, ganz entfernt vom Mund, obwohl es eigentlich die Ursache im Mund hat. Es ist also spannend, da die Verbindungen auch immer im Hinterkopf zu behalten und multidisziplinär zu denken.

00:05:18: Sprecher 1 Ja, absolut. Wenn wir über die Mundflora jetzt sprechen, denken ja viele zuerst immer an Karies oder halt Mundgeruch. Welche Bedeutung hat das orale Mikrobiom darüber hinaus für den Körper, zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Immunsystem oder allgemeinen Entzündungsprozessen?

00:05:41: Sprecher 2 Wie vorhin schon angedeutet, das Immunsystem wird hier wie getrimmt. Es ist eine Trainingsstation, so eine Art Schule. Da lernt ihr schon kennen. Da lernt es zum Beispiel kennen, dass Nahrungsbestandteile kein Problem darstellen. Also es lernt zwischen gefährlich und nicht gefährlich kennen, wird dort geschult. Eine gestörte Mundflora hingegen kann dazu führen, dass dieses Lernen des Immunsystems aus den Fugen gerät, dass es überaktiv wird, dass es chronisch gestresst wird, das Immunsystem. Und auch durch die Pathogene, also die schlechten Mundbakterien, die eventuell dann überhand gewinnen und ihre Stoffwechselprodukte wie LPS, Lipopolysaccharide, die können über die Blutbahn sich an verschiedenen Orten ansiedeln. Sie haben meist so ihre Lieblingsorte da wo das Milieu für ihr Überleben am besten ist, sei es durch den Sauerstoffdruck bedingt das Milieu, das sie am liebsten haben zum Leben und siedeln sich dort an und können dort zum Beispiel für Rheuma sorgen, für chronische Erkrankungen sorgen, die man jetzt so nicht unbedingt mit der Mundgesundheit in Verbindung bringen würde.

00:07:08: Sprecher 1 In der modernen Medizin wird ja zunehmend über diese Gesundheit, sogenannten stillen Entzündungen gesprochen. Welche Rolle können chronische Entzündungen im Mund, wie zum Beispiel bei Parodontitis, für den gesamten Organismus spielen? Jenna, was ist deine Erfahrung?

00:07:25: Sprecher 2 Vielleicht noch mal ganz kurz, wie entsteht Parodontitis überhaupt? Ausgehend ist also sie geht von einer Zahnfleischentzündung erstmal aus, von einer oberflächlichen Zahnfleischentzündung, die Gingivitis, die dadurch entsteht, dass man den Zahnbelag nicht genügend entfernt hat und auch zu lange Zeit nicht genügend entfernt hat, mit der Zahnbürste effektiv. Und diese oberflächliche Entzündung breitet sich dann in die Tiefe vertikal entlang des Zahnes aus und betrifft dann auch irgendwann den Kieferknochen. Und es kommt zu einem Milieu in der Tasche, dass anaerobe Bakterien dort sich vermehren können. Sie brauchen keinen Sauerstoff. Und das sind dann die aggressiven parodontalen Leitkeime, werden die auch genannt, wie zum Beispiel Porphyromonas gingivalis, die wirklich mit ernsthaften Erkrankungen in Verbindung stehen und die direkt und ihre Produkte aber auch durch die Manipulation des Immunsystems dafür sorgen, dass die Entzündung immer aufrechterhalten wird. Das Immunsystem macht dabei bei dem Versuch, das Problem zu lösen, eigentlich die Gewebsauflösung. Das machen nicht die Bakterien selber, aber das Immunsystem kann sie nicht abtöten. Daher ist es zwingend erforderlich, dass zum Beispiel die Parodontitis zahnärztlich behandelt werden muss, damit es wieder besser werden kann. Sonst entsteht so eine leise Entzündung über Jahrzehnte, die manchmal dreiig vierzig Jahre anwesend ist und dann Spätfolgen hat, vielleicht ab einem Alter von 50 und sich dann zeigt, nicht nur mit Zahnlockerung und dass die Zähne sich verschieben, sondern eben auch Problemen, neuen Problemen am Gelenk, zum Beispiel Rheuma oder Herz Kreislauf Erkrankungen.

00:09:28: Sprecher 2 Man weiß auch, dass in den Plaques Mundhöhlenbakterien vorgefunden werden, ungünstige und bei Herzinfarkt eine Rolle spielen. Aber auch bei Diabetes, da gibt es eine wechselseitige Beziehung. Also Diabetes verschlechtert Parodontitis, aber auch umgekehrt. Parodontitis führt zu vermehrter Insulinresistenz der Zelle, indem es die Insulinrezeptoren verändert und verschlechtert so auch die Diabetes, auch Krebserkrankungen. Da weiß man auch bei bestimmten Krebsarten, wie zum Beispiel Speiseröhrenkrebs, Pankreaskrebs, Darmkrebs, dass da aggressive Keime aus der Mundhöhle zu finden sind. Also zum Beispiel das Fusobakterium Nukleatum. Das siehst du wahrscheinlich auch oft in den Schulproben.

00:10:23: Sprecher 1 Ja, absolut. Wenn wir Mikrobiomuntersuchungen machen bei unserem Labor, ist das mittlerweile eine Standardmessung. Also das Fusobakterium wird auch immer mit untersucht. Es kommt nicht oft vor, aber es kommt ja doch, also würde schon sagen, immer mal wieder vor, dass wir eine leichte Erhöhung haben. Ja, genau. Wo ich dann letztendlich natürlich den Patienten auch darauf hinweise, auch mal zum Zahnarzt zu gehen.

00:10:50: Sprecher 2 Also das wäre ein sehr sehr wertvoller Tipp auf jeden Fall. Vor allem viele Menschen haben ja auch chronischen Magensäuremangel. Dann können Eimer aus dem Mund auch einfach durch Schlucken viel leichter in den Darm gelangen und werden nicht mehr effizient abgetötet, die durch die Magensäure. Und man weiß jetzt mittlerweile auch sogar um die, den Zusammenhang mit SIBO, also mit der Dünndarmfehlbesiedlung, wollte ich gerade sagen.

00:11:17: Sprecher 1 Ja, ja.

00:11:19: Sprecher 2 Früher dachte man, das kommt von unten, die zu viel sind sozusagen, aber die können auch von oben, also kommen.

00:11:30: Sprecher 1 Ja, spannend. Also wie alles so zusammenhängt. Unser moderner Lebensstil hat sich ja stark verändert. Wir essen einfach mehr Zucker, verarbeitete Lebensmittel und es gibt halt auch diverse andere Belastungsfaktore wie Beeinflussen solche Faktoren jetzt die Mundflora und warum bleiben mögliche Folgen oft lange unbemerkt?

00:11:56: Sprecher 2 Also bei der modernen Ernährung das größte Problem sehe ich so ein bisschen an der Mahlzeitenfrequenz. Auch wir essen viel zu oft am Tag und vor allem bei zuckerhaltigen oder säurehaltigen Lebensmitteln weiß man auch, die schädigen die Zähne und Kippen führen auch dazu, dass das Milieu kippt, also eine Dyspens entsteht und ungünstige Mundbakterien dadurch wieder wachsen können. Wenn man also zum Beispiel Zucker konsumiert, am besten als Nachtisch und nach der Hauptmahlzeit, also wenn man zweimal am Tag isst, idealerweise oder dreimal am Tag, sollte man darauf achten und nicht immer wieder. Außerdem gibt es Emulgatoren und viele chemischen Verbindungen in Fertigprodukten, die auch unser Immunsystem gar nicht kennt evolutionär und es weiß nichts damit anzufangen. Es wird aber aktiviert durch diese Stoffe und das ist auch ein Grund für eine chronische Immunsystemaktivierung, also chronische Entzündung, was ja auch bei Inflammation genannt wird und ein Risikofaktor ist bezüglich Longevity, dann ja, wir kauen auch nicht mehr, also wir brauchen gar nicht mehr so richtig zu kauen. Ich denke zum Beispiel an so einen McDonald's Burger. Es ist alles super weich, das Brot, das Fleisch und unser Kaumuskel wird gar nicht mehr gefordert und auch das hat gravierende Folgen.

00:13:35: Sprecher 2 Wir brauchen das evolutionär fürs Überleben sogar. Also der Kaum Muskel hat eine Sonderrolle und es ist wichtig, dass wir regelmäßig harte Dinge, also harte Lebensmittel kauen, wie zum Beispiel eine Karotte und dadurch Kautraining haben, dass das wegfällt. Bei der modernen westlichen Ernährung ist auch ein großer Einflussfaktor neben den Ballaststoffen der Verzicht an fermentierten Produkten bei fermentierten Produkten und Mund. Es ist schon so, dass die säure Zähne angreifen kann. Allerdings sind fermentierte Produkte natürlich extrem gesund für die Allgemeingesundheit. Man sollte sie auf jeden Fall verzehren. Bei Zitrone oder Essig kann man sich merken, mit einem Strohhalm hat es weniger Schaden.

00:14:29: Sprecher 1 Das war nämlich noch eine Frage, die ich dich unbedingt heute fragen wollte, weil man hört ja immer, ja, also morgens das Zitronenwasser zu trinken und ich weiß auch, dass du das mal gesagt hast, dass es nicht so optimal ist für

00:14:44: Sprecher 2 die Zähne leider nicht. Es fördert die Entstehung von Erosion, der Zahnschmelz wird abgebaut. Es entsteht also keine Karies. Die entsteht ja eher, wenn Bakterien Zucker bekommen, sozusagen oft Zucker bekommen und die, die essen den Zucker, verstoffeln, wechseln den zu Säuren und die Säure greift den Zahnschmelz an. Und bei Zitronensaft ist es so, durch den niedrigen pH Wert, die Säure greift den Zahn direkt an und danach sollte man idealerweise auch nicht direkt die Zähne putzen, sondern mit Wasser spülen, versuchen den pH Wert wieder zu erhöhen. Normalerweise hatten wir einen pH Wert von 7 im Speichel, also wenn wir nicht essen. Und so können wir für einen gewissen Schutz sorgen und nicht eben täglich Zitronensaft am Zitronensaft nippen, also mehrmals am Tag. Und gerade die Kombination von süß und sauer ist verheerend, also wie zum Beispiel den Apfelsaft oder in Eistee. Das sollten wir unbedingt vermeiden oder Red Bull, wenn das beides zusammenkommt, dann gibt es Karies und Erosionen und auch Glattflächen Karies, also auf der Glattfläche, die eigentlich super geputzt wird. Ja, das ist so ein Risikofaktor.

00:16:09: Sprecher 1 Ja. Okay. Also das heißt dann wirklich Zitronenwasser mit dem Strohhalm trinken in der Früh, wer es gerne mag.

00:16:17: Sprecher 2 Genau, genau.

00:16:18: Sprecher 1 Das ist auch noch mal ein super Tipp. Kommen wir noch mal so zur nächsten Der Mond ist Teil eines größten, also der Mund ist Teil eines größeren Systems und steht in engem Austausch mit anderen Bereichen des Körpers, wie zum Beispiel dem Darm. Jenna, welche Zusammenhänge werden heute zwischen der Mundgesundheit und der allgemeinen körperlichen Gesundheit diskutiert?

00:16:45: Sprecher 2 Also man weiß schon lange eigentlich über sehr viele Studien. Es ist schon belegt, dass es einen Zusammenhang mit Herz Kreislauf Erkrankungen gibt, dass die Mundbakterien auch sich an Gefässinnen Wenden, an Endothelien absetzen können und dort zur Bildung von Plaques beitragen, also zur Arteriosklerose und so auch eine Rolle bei Herzinfarkt und Schlaganfall spielen können. Bei Diabetes ist der Zusammenhang auch belegt, also da, wie schon vorher erwähnt, die gegenseitige Beeinflussung, also Diabetes macht die Parodontitis schlimmer und umgekehrt. Bei Rheuma wissen wir das auch ganz genau, dass zum Beispiel der Keim Porphyromonas gingivalis sich gerne dort ansiedelt und durch die Aktivierung eines bestimmten Enzyms dort zur Veränderung von körpereigenen Proteinen führt und das Immunsystem wird dann darauf aufmerksam, weil es das als fremd erkennt und nicht mehr als körpereigen. So kommt es zu einer Autoimmunreaktion, also zur rheumatoiden Arthritis. Auch beim Darm wissen wir, dass eine Dysbiose auch durch ungünstige Mundkeime hervorgerufen werden kann und zu verschiedenen Folgen auch führt, wie zum Beispiel Leaky Gut, auch Sibo oder chronischen Darmentzündungen und bis hin zu Kanzell geschehen. Also mit dem Fusobacterium nucleatum, haben wir

00:18:22: Sprecher 1 ja gerade schon gesagt.

00:18:23: Sprecher 2 Genau.

00:18:25: Sprecher 1 Wenn jemand jetzt seine Mundgesundheit bewusst unterstützen möchte, welche grundlegenden Maßnahmen empfindest du im Alltag, zum Beispiel in Bezug auf die Mundhygiene, Ernährung, aber auch in Bezug auf die Vorsorge, also Prävention.

00:18:43: Sprecher 2 Also ganz wichtig ist, auf das Rauchen zu verzichten, wenn man raucht, weil das Rauchen hat extrem viele Nanopartikel, Schwermetalle, die Toxine, die die Mundschleimhaut so manipulieren, dass die Zahnfleischentzündung sogar maskiert wird und die Parodontitis. Es kommt zu einer verminderten Durchblutung und dadurch kann man eine Parodontitis haben, aber man hat noch nicht mal Zahnfleischbluten. Und das Rauchen ist auf jeden Fall sehr, sehr schädlich, nicht nur für die Mundgesundheit, auch für die Allgemeingesundheit natürlich. Was können wir machen zum Schutz? Das Öl ziehen, zum Beispiel täglich eine gute Maßnahme, indem wir zum Beispiel morgens als allererste Maßnahme nach dem Aufstehen einen Esslöffel Olivenöl in den mund nehmen und 10 bis 15 Minuten durch die Zahnzwischenräume ziehen. Und das nimmt schon sehr viele fettlöslichen Toxine mit. Und nach diesen 15 Minuten sollten wir das auch wirklich ins Taschentuch spucken und dann entsorgen im Sondermüll oder im normalen Müll, also nicht im Abfluss.

00:19:56: Sprecher 1 Hochtopsisch.

00:19:57: Sprecher 2 Genau. Und das Zähneputzen ist extrem wichtig. Es gibt da ja auch mittlerweile ganz viele moderne Sachen, zum Beispiel mit dem Waterpeak, mit dem Wasserstrahl, die Zwischenräume zu reinigen. Dennoch weiß man, dass die mechanische Plaquentfernung mit der Bürste das effektivste ist. Also da geht kein Weg dran vorbei am normalen Zähneputzen. Und wenn wir das mit der Handzahnbürste machen, dann sollten wir 3 Minuten lang wirklich putzen, weil das schon anspruchsvoll ist. Auch das wird unterschätzt. Der Zahn ist dreidimensional, also er ist nicht flach, es reicht nicht hin und her zu putzen. Wir müssten die Anatomie auch berücksichtigen. Mit der Schallzahnbürste geht das ein bisschen schneller, da braucht man vielleicht nur zwei Minuten. Und die elektrische Zahnbürste, die sich so dreht, empfehle ich eher weniger, weil man dadurch auch das Zahnfleisch nach oben schieben kann.

00:20:57: Sprecher 1 Ah, OK.

00:20:59: Sprecher 2 Daher würde ich eher doch zu Ultraschallzahnbürsten greifen. Das macht Kindern übrigens auch mehr Spaß, mit so einer Zahnbürste zu putzen, als mit einer normalen Handzahnbürste. Und bei Kindern sollte man sowieso als Elternteil mindestens zum Alter von 7 nachputzen, weil die das nicht so feinmotorisch können und auch meist ungeduldig sind. Die machen das einfach dann nicht so gründlich. Und ja, die Zwischenraumbürstchen sind auch super wichtig. Da gibt es, da ist es Geschmackssache, ob man lieber Zahnseide benutzt oder Zwischenraumbürstchen. Oder es gibt auch wirklich, ich habe auch Patienten, die benutzen beides, Zahnseide und Zwischenraumbürstchen. Mittlerweile weiß man, dass die Zwischenraumbürstchen noch mal effektiver reinigen und auch leichter reinigen, weil die wirklich flächig die Zwischenräume berühren und den Zahnbelag entfernen können. Wenn man Zahnseide benutzt, dann lieber eine, die rau ist, also nicht so gewachst ist, wo eventuell Nahrungsreste nicht dran hängen bleiben, sondern eine umgewachsene Zahnseide, die auch aufquellen kann im Zwischenraum. Und bei engen Zwischenräumen macht die Zahnseide sowieso dann mehr Sinn. Und die Zwischenraumbürstchen, die gibt es ja in vielen verschiedenen Größen. Da kann man sich dann auch beraten lassen in der professionellen Zahnreinigung oder bei der Dentalhygiene in der Schweiz. Ich würde keine antibakteriellen Mundspüllösungen benutzen, weil wir wollen ja nicht die Bakterien kaputt machen im Mund.

00:22:41: Sprecher 2 Wir wollen ja nicht wie ein Antibiotikum im Darm. Also wir brauchen die guten Mundbakterien auf jeden Fall. Daher würde ich antibakterielle Maßnahmen im Mundraum wirklich nur dann einsetzen, wenn ein Problem da ist. Ein bekanntes Problem, wenn man zum Beispiel Parodontitis behandeln möchte, kann man das machen eine Zeit lang, aber dann auch vermehrt mit Probiotika arbeiten für die Mundhöhle in Form von Lutschtabletten oder Pulver, was besser wäre, ein besserer Ansatz wäre als einfach totmachen sozusagen. Und die Zungenreinigung ist auch sehr wichtig, dass wir die Zunge reinigen, weil da auch sehr viele Bakterien sind. Das kann man entweder mit der Zahnbürste machen, muss man gucken, ob das geht mit dem Würgereiz. Ansonsten gibt es so metallene Bügel, mit der man die Zunge einfach abstreift. Das benutze ich gern, kennt man auch aus der Ayurveda oder Zungenschaber. Gibt es da. Bezüglich Ernährung würde ich sagen, wirklich naturbelassene Nahrungsmittel, die man auch kauen muss, also evolutionär bekannte Nahrungsmittel verzehren mit vielen Vitaminen, Antioxidantien, also idealerweise einen bunten Teller essen, auch auf ausreichend Omega 3 achten. Omega 3 brauchen wir, damit Entzündung auch wieder aufhören kann. Und da gibt es ja schon ganz einfache Bluttests, die man selber machen kann mit Tropfen Fingerblut.

00:24:26: Sprecher 2 Für die Knochengesundheit ist natürlich wichtig, auch Vitamin D, Vitamin K, genügend Proteine zu essen. In der klassischen Zahnmedizin werden Fluoride empfohlen, weil sie sich in den Schmelz einlagern können. Das ist Hydroxylapatit, der Schmelz. Und wenn Flor sich einlagert, wird Florapatit gebildet, was härter ist und ein bisschen widerstandsfähiger gegen Säuren ist. Der Effekt der Fluoride als lokale Maßnahme auf den Zähnen ist belegt durch viele Studien, andererseits wird er etwas überschätzt. Man kann auch Karies bekommen, wenn man ständig eine Fluoridzahnpasta benutzt. Allerdings weiß man mittlerweile, dass es besser, dass man Fluorid systemisch, also aus Kautablette oder als Trinkwasserfluoridierung nicht braucht und dass man Abstand davon nehmen sollte. Mineralien sind natürlich auch sehr wichtig fürs Zahnfleisch. Eine einfache Maßnahme wäre zum Beispiel eine Salzwasser Mundspüllösung bei einer Zahnfleischentzündung mit einem guten Salz, also mit einem Esslöffel Salz in einem Glas Wasser aufgelöst, einfach spülen. Wenn man ein gutes Salz, wie zum Beispiel Himalaya Salz nimmt oder Steinsalz, dann also je mehr Mineralien das Salz enthält, desto besser eigentlich als ich eine Zeit lang in der Türkei gearbeitet hatte, hatte unsere Professorin für Parodontologie im Team ihren Patienten mit Parodontitis immer das zuerst geraten, also die Salzspüllösung, weil das wirklich hilft, Mineralien liefert und das Zahnfleisch beruhigen kann als ganz einfache Maßnahme neben dem Öl.

00:26:21: Sprecher 1 Ja, das wusste ich noch nicht. Spannend, Ja, auf jeden Fall.

00:26:26: Sprecher 2 Ich mag einfach Lösungen.

00:26:27: Sprecher 1 Das ist ich auch und unsere Patienten und Patienten natürlich auch.

00:26:35: Sprecher 2 Ich wollte nur noch hinzufügen, die Kontrolle beim Zahnarzt, also mindestens einmal im Jahr wäre sehr wichtig, weil wir nicht immer merken, wenn etwas nicht stimmt im Mund. Wir spüren es nicht immer, sei es Karies, sei es Zahnfleischerkrankung, man spürt es erst leider sehr viel später und daher wäre einmal im Jahr eine Jahreskontrolle sehr wichtig. Wenn es schon chronische Erkrankungen gibt oder man möchte es ganz genau wissen, man hat vielleicht viele Sachen, die in dem Mund schon verbaut worden sind, kann man auch zum Umweltzahnarzt gehen oder zum ganzheitlich arbeitenden biologischen Zahnarzt und gucken, gibt es Werkstoffe im Mund, die mein Immunsystem vielleicht triggern, Allergien hervorrufen, Unverträglichkeiten oder toxische Belastungen. Das kann man direkt im Blut untersuchen lassen. Und auch über Röntgenbilder kann man sehen, ob es chronische Entzündungswerte gibt, zum Beispiel bei insuffizient wurzelbehandelten Zähnen. Eine Wurzelbehandlung ist eine Maßnahme, um den Zahn länger zu behalten in der Mundhöhle, kann aber auch zu Problemen führen, weil wir wissen, dass gerade bei mehrwurzligen Zellen eine hundertprozentige Desinfektion ist. Nie möglich. Es ist utopisch, wenn da schon Bakterien drin sind. Muss auch nicht immer der Fall sein. Nach einem Unfall zum Beispiel, wenn da eine Wurzelbehandlung gemacht wird, sind da keine Bakterien drin.

00:28:08: Sprecher 2 Da ist es ganz wichtig, dass man individualisiert Gibt es chronische Entzündungsherde? Wurden Weisheitszähne gezogen, die vielleicht, wo das Wundgebiet nicht gut ausgeheilt ist. Das alles würde ein Umweltzahnarzt zum Beispiel untersuchen mit D Röntgen. D Röntgen, vielleicht CT und Ultraschalluntersuchung. Ja, das wäre noch meine Empfehlung.

00:28:36: Sprecher 1 Ja, klasse. Du hast echt super viele Infos und Tipps schon mitgegeben. Also ich denke, da können wir alle von profitieren von deinen Tipps und Informationen. Wir kommen auch schon langsam zum Ende. Ich habe noch eine letzte Frage an dich, Jenna. Was würdest du dir wünschen, dass Patienten bzw. Patientinnen viel früher über ihre Mundgesundheit verstehen, insbesondere im Hinblick auf ein langes, vitales und möglichst gesundes Leben?

00:29:09: Sprecher 2 Ja, also da bin ich wie eben schon ein bisschen drauf eingegangen, also mit der Mundhygiene natürlich, aber das Wichtigste ist eigentlich die Erkenntnis, dass alles zusammenhängt, dass sich alles gegenseitig beeinflusst. Also die Mundgesundheit und Allgemeingesundheit, dass man das mit Wörtern schon trennt, ist schon wie schon ein Kunstfehler, weil es nicht zu trennen ist. Also der Mund ist genauso wichtig wie eine andere Stelle im Körper und es beeinflusst sich gegenseitig daher, dass man auch bei chronischen Beschwerden immer an die Mundgesundheit denkt und sich da Wann war ich das letzte Mal beim Zahnarzt? Wann hatte ich letzte Mal die letzte professionelle Zahnreinigung und Dentalhygiene? Und dass man sich des Zusammenhangs immer bewusst ist Und ja, das wäre das Wichtigste auch Dinge selber auch kontrolliert, zum Beispiel Vitamin D. Vitamin D und Omega 3 sind so sehr, sehr wichtige Faktoren, die man selber messen kann und wo man auch selber für seine Gesundheit sorgen kann. Denn Prävention ist nicht beim Zahnarzt, sondern ist wirklich während der Zeit, wo man selber die Zähne putzt und während man isst. Und es gilt auch für Stressregulation, für toxische Emotionen. Auch da weiß man, dass es zum Beispiel einen engen Zusammenhang gibt mit Bruxismus und Zähneknirschen.

00:30:42: Sprecher 2 Im Prinzip der gesamte Lebensstil, auch Bewegung, die Art und Weise, wie man sich ernährt, spielt eine große Rolle und hat Einfluss auf die Mundgesundheit.

00:30:54: Sprecher 1 Prima, vielen lieben Dank. Das war jetzt, finde ich, eine ganz tolle Podcast Folge. Ich danke dir, dass du dir Zeit genommen hast und uns so ausführlich informiert hast über dieses Thema Mundflora, Zahngesundheit und auch den Zusammenhang mit unserer allgemeinen Gesundheit. Liebe Zuhörer und Zuhörerinnen, ich freue mich sehr, dass ihr wieder eingeschaltet habt. Ich wünsche euch jetzt auf jeden Fall einen schönen Tag oder einen schönen Abend. Bleibt gesund, lasst es euch gut gehen und bis ganz bald. Eure Uta Petino. Ciao.

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